Pierre Albasser wurde am 23. Dezember 1936 als ältestes von vier Kindern eines Arbeiters in Mulhouse, Oberrhein, geboren. Er wurde Tiefbau-Ingenieur, heiratete in Düsseldorf, wo eine Tochter geboren wurde. Danach lebte die Familie in Rio de Janeiro, Strassburg und Versailles. Als CEO eines grossen Unternehmens begann er, nebenbei auf Post-it* für Treffen und Telefongespräche zu kritzeln. Er trat 1992 in den frühzeitigen Ruhestand und zeichnete nun, von seiner Frau ermutigt, regelmässig.
Pierre Albasser lebt mit seiner Frau in Marsilly, einem hübschen Dorf unweit der Küste, wo sie sich sehr wohl fühlen. Er zeichnet täglich auf die Rückseite von Verpackungen des täglichen Gebrauchs, was zu einer Vielzahl von Formaten und unerwarteten Formen der Arbeitsflächen führt. Mit Kugelschreiber zeichnete er Schlieren und Schraffuren menschlicher oder tierischer Formen. Verschiedene Materialien wie Stifte, Marker, Pastelle, Aquarelle und leere Druckerpatronen bereichern seine Arbeiten, indem sie Kratzer, Flecken, Streifen oder Farbtupfer ergänzen seine kleinen Striche.
Seine Arbeit ist ausschliesslich für seine Frau Gudrun bestimmt. Als bevorzugte Expertin für seine Arbeit hat sie die Rolle seiner Kuratorin. Pierre meint, er würde nicht mehr zeichnen, falls sie eines Tages weg wäre. Im Oktober 2019 haben der Verfasser und seine Frau Pierre und Gudrun in Marsilly besucht und ein sehr eindrucksvolles und fantastisches Wochenende mit den beiden liebenswürdigen Gastgebern verbracht.
Es war ein grosses Privileg, Zeuge einer Demonstration von Pierres Arbeitstechnik zu werden. Das Bild oben links zeigt die geöffnete Schublade des Arbeitstisches, in der Arbeiten aufbewahrt werden, an denen er gleichzeitig arbeitet. Während der Woche werden diese unvollendeten Kunstwerke noch modifiziert, und erst am Ende der Woche sieht sie seine Frau Gudrun zum ersten Mal. Auf der rechten Seite zeigte Pierre, wie man mit Tinte von Kugelschreibern zeichnet: Durch Wegknipsen der Spitze mit einer Zange entsteht ein völlig anderes Werkzeug, mit dem charakteristische dicke, aber leicht ausfransende Linien gezeichnet werden.