Klarstellung.
Die Künstlerin ist n i c h t in dieser Sammlung vertreten, sondern wird hier als ein Gast vorgestellt um ihr eine Plattform zu geben!
Maja Bosshard wurde 1952 geboren. Zusammen mit zwei älteren Schwestern und einem jüngeren Bruder wuchs sie in Wettingen im Aargau auf und besuchte dort die Schulen bis zum Lehrerseminar. Nach einigen Jahren Lehrtätigkeit an der Primarschule in Stetten absolvierte sie das Heilpädagogische Seminar in Zürich. Anschliessend wirkte sie als Lehrerin und Erzieherin in verschiedenen Heimen und an der Sonderschule in Zurzach und in Klingnau. Nach einer Ausbildung zur Handweberin arbeitete sie selbstständig in diesem Beruf. 1979 starb ihr Vater und 1980 verunfallte ihr Bruder tödlich. Maja Bosshard, seit ihrer Kindheit ihrem Bruder nah verbunden, trug schwer an diesen Verlusten.
1987 zog sie nach Holland mit der Absicht, Kunst zu studieren. Als sie dieses Vorhaben nicht umsetzen konnte und ihr auch die Ehe mit einem holländischen Künstler keine Stabilität brachte, kehrte sie 1989 in die Schweiz zurück. Sie trat eine Stelle in einem Bio-Genossenschaftsladen in Zürich an und arbeitete anschliessend als Lehrerin an der heilpädagogischen Schule in Uster. Parallel zu ihrem zunehmenden künstlerischen Schaffen zog sich Maja Bosshard immer mehr von Familie und Freundeskreis zurück. Sie erkrankte und wurde während ein paar Monaten in einer psychiatrischen Klinik behandelt. Obwohl sie nach ihrer Entlassung wieder arbeitete, wurde offensichtlich, dass sie den Anforderungen des Berufs- und Alltagslebens nur schlecht gewachsen war.
Auf einer Ferienreise in Sao Paolo/Brasilien stürzte Maja Bosshard im Dezember 1992 aus dem Fenster ihres Hotelzimmers im 4. Stock zu Tode. Ob es ein Unfall, Verbrechen oder Suizid war, konnte nicht schlüssig geklärt werden. Maja Bosshard blieb das zur Lebensbewältigung nötige Selbstverständnis versagt: Mit überscharfem Sinn für Banalitäten und falsche Töne des Alltags erlebte sie dessen (und ihre) Unzulänglichkeiten hautnah und rieb sich auf in der widersprüchlichen Sehnsucht nach Verankerung und befreiender Leidenschaft.
Schreiben und künstlerisches Gestalten halfen ihr bei der Auseinandersetzung mit ihrer sensiblen, kantigen Persönlichkeit und der Welt, in der sie sich fremd fühlte, aneckte und schliesslich krank wurde. So entstanden im Laufe ihrer inneren Kämpfe Bilder, Objekte, Gedichte und Kurztexte, die ihre Gratwanderung dokumentieren und uns mit ihrem Schillern zwischen Vertraut und Unvertraut, mit ihrer Direktheit und ihrem existenziellen Gehalt in ihren Bann ziehen.
Maja Bosshard hat zu Lebzeiten nur im Verborgenen gearbeitet und nichts veröffentlicht. Erst nach ihrem Tod wurden Texte und bildnerische Arbeiten entdeckt und von ihrer Schwester Ursula Sauser gesichtet. Da Maja Bosshards Werk durch seine künstlerische Aussage und durch seine Nähe zur Art brut weit über das Private hinausweist, fand 2000 im Kunstraum Aarau eine Ausstellung statt, die auf ein sehr berührtes und interessiertes Publikum stiess.