2012 entstand diese Webseite, um Ernst Kolb, den zu Lebzeiten lokal berühmten, aber nach seinem Tod damals bereits fast ganz vergessenen Mannheimer Bäcker und Art Brut Künstler wieder bekannt zu machen.
Ernst Kolb (1927–1993) war ein zurückgezogen lebender Bäcker aus Mannheim mit grossem Interesse an Kunst und Kultur. Trotz schwieriger familiärer Umstände – seine Mutter wurde von den Nazis ermordet, seine Schwester litt an Schizophrenie – entwickelte er sich zu einem originellen Chronisten des Stadtlebens. Er besuchte unzählige kulturelle Veranstaltungen und begann ab 1969 selbst zu zeichnen. Seine Werke, zunächst als «Kritzeleien» belächelt, fanden später grosse Anerkennung. Nach einem Schlaganfall zog er sich zurück; sein Vermächtnis wurde dank Rolf Bergmann bewahrt.
Schliesslich wurde Kolb 2018 mit einer Ausstellung in der Collection de l’Art Brut in Lausanne posthum gewürdigt. Diese Webseite hat zu seiner Wiederentdeckung beigetragen und dazu, dass ihm die Ausstellung in der Collection de L’Art Brut gewidmet wurde, durch welche Kolb wiederentdeckt wurde. Das Ziel, Kolb wieder bekannt zu machen, war erreicht,.
Die Webseite wuchs danach laufend weiter, aber sie verharrte ungewollt in einer Art Dornröschenschlaf, denn auf Webseiten per Mausklick von Seite zu Seite zu navigieren, war inzwischen hoffnungslos veraltet und die Besucher waren schon weg, bevor sie zu den Highlights der Seite zu gelangt waren. Ich war mir dessen lange nicht bewusst, aber im vergangenen Jahr wurde ich von Filippo Salinas darauf aufmerksam gemacht, der mir vorschlug, die Seite neu zu beleben. Er hat mich überzeugt und der Seite effektiv zu ganz neuem Leben verholfen. Ich bin ihm dafür unendlich dankbar!
Ihr inzwischen riesiger Inhalt lässt sich seither spielend erkunden: neben Schwergewichten wie Adolf Wölfli, Madge Gill, Ernst Kolb oder Noviadi Angkasapura etc. werden auf der Webseite viele Werke weiterer meiner Ansicht nach sehr entdeckenswerter Aussenseiter und Aussenseiterinnen vorgestellt.
Was ist hier eigentlich speziell und ganz anders als üblich?
Die Sammlung wurde nicht auf dem Kunstmarkt, sondern über die Jahre direkt auf den Facebook-Konten der Künstler gesammelt (wie z.B. jene von Angkasapura aus Indonesien, der später von 2 wichtigen Galerien in New York und London entdeckt und exklusiv unter Vertrag genommen wurde – fünfzehn meiner damals direkt von Angkasapura erworbenen Zeichnungen befinden sich inzwischen in der Sammlung der Collection de l’Art Brut in Lausanne!) und Arbeiten von Künstlern, die mir persönlich gefielen, obwohl sie kaum oder gar nicht bekannt waren, wurden auf den Plattformen eBay und Etsy im Internet aufgestöbert und für die Seite erworben.
Im Lauf der Zeit entstand so fernab vom Kunstmarkt, oft durch Zufall, eine viel abwechslungsreichere Sammlung, als wenn ich es mir hätte leisten können, eine Sammlung ganz nach meinen Wünschen und Vorstellungen aufzubauen. Diese unübliche Art des Sammelns führte nämlich zu einer sehr grossen Vielfalt. Schliesslich zeigt die Sammlung neben den auch auf den Webseiten der Art Brut Museen vertretenen Künstlern auch Arbeiten, die von den Museen wohl nicht als sammelnswert betrachtet werden, die ich aber selber sehr spannend finde.