Ein moderner Künstler ist Steve Moseley aus St. Louis, Missouri in den USA. RAWVISION hat in der Ausgabe 85 diesen Künstler und seine phantastischen Flaschen vorgestellt.
Was für ein Glück, dass Steve Moseley, der selber ein Sammler von Art Brut ist, sich für Kolbzeichnungen interessiert hat und dabei auf diese Webseite gestossen ist, welche ihn zu der Flasche inspiriert hat. Der Künstler hat mich damals kontaktiert: er habe eine Idee für eine Flasche, die er für mich machen und mir schenken werde, ob ich ihm dafür eine Foto von mir senden könne? Das machte ich natürlich gerne und war sehr gespannt, was ich zu erwarten hätte. Einige Wochen darauf kam ein grosses Paket aus den USA. Es enthielt gewissermassen eine Karikatur in Form einer Flasche und zeigt den Sammler als einen Gefangenen seiner Sammelleidenschaft, in einer randvollen Flasche, in der er seinen Blick über die Decke schweifen lässt, Ausschau haltend nach Platz für eine neu erworbene Arbeit. Was für ein witziges und wunderbares Geschenk! Ein riesiges Dankeschön an Steve!Er hatte sich für Kolbzeichnungen interessiert, welche zu jener Zeit, nachdem Rolf Bergmann gestorben war, nicht mehr im Verkauf waren. Und wie sich zeigte, hat er zwei von Kolbs Zeichnungen in der Flasche wiedergegeben. Diese beiden Originale von Kolbs Zeichnungen, welche den Weg in die Flasche gefunden hatten, traten als mein kleines Dankeschön die Reise in die USA an.
Steve Moseley zu seinen Flaschen:«Als ich ein Teenager war, entdeckte ich, was für mich eine Leidenschaft für den Rest meines Lebens wurde. Im Chicago Museum of Art, sah ich die erste Flasche und war süchtig: Objekte werden Stück für Stück durch den Hals der Flasche eingeführt und in der Flasche zusammengefügt. Die erste Flasche stammt aus dem Jahr 1700. Zwischen 1880–1910 war die Blütezeit und nach dem 2. Weltkrieg ging die Herstellung zurück. Heute gibt es nur wenige Menschen, die sie machen. Der Inhalt variiert. Die Künstler sind Autodidakten, denn es gibt keine Schulen oder Anleitungen. Man muss selbst herauszufinden, wie man sie macht und sich Werkzeuge herstellt, um in den Flaschen zu arbeiten».
Steve Moseley wurde 1964 in Louisville, Kentucky geboren. Seine offizielle künstlerische Ausbildung dauerte 9 Jahre Inkl. Kindergarten – er sieht sich nicht als Künstler, sondern als Modellbauer. Als Teenager bastelte er Modellflugzeuge, die er an die Schlafzimmerdecke hängte. Er studierte an der University of Louisville Chemie und arbeitete zehn Jahre als Forschungstechniker. Damals traf er seine künftige Frau, die einen Abschluss in Biochemie hatte. Es kam das erste Kind und er übernahm die Rolle des Hausmanns. Sie zogen nach St. Louis. Er begann Schiffe in Flaschen zu bauen, später andere Objekte. Er erkrantket an einer sehr seltenen schweren Autoimmunkrankheit, bei der ihm, je nach Verlauf eine Lebenszeit von nur zwei Wochen blieb. Dem setzte er seinen Willen entgegen.
Die Objekte im Innern der Flaschen werden aus Lindenholz geschnitzt und mit einem 2‑Komponenten-Ton ergänzt. Die Einzelteile sind so klein, dass sie durch den Flaschenhals passen um im Inneren zusammengebaut zu werden. Steve meint, die Arbeit an einer durchschnittlichen Flasche sei etwa zwanzig Stunden. Die Inspirationen für seine Flaschen stammen aus einer Vielzahl von Quellen. Drei Themen, sind Sex, Religion und Politik. Dies sind seine Lieblingsthemen. Die Katholische Kirche und die Baptisten sind eine Inspirationsquelle für viele seiner Flaschen. Er liebt es, Szenen, an welche Menschen denken, aber kaum diskutieren, darzustellen und nähert sich den Themen auf humorvolle Weise. Die Flaschen werden gelegentlich als Volkskunst bezeichnet, jedoch werden die in Steves Flaschen dargestellten Szenen selten oder nie in der Volkskunst dargestellt, wie Pädophilen-Skandal, Korruption in der Kirche, die Haltung der südlichen Evangelikalen, Prostitution, Rassismus, Transvestie oder Homosexualität.
Seit er wiederholt dem Tode nahe gewesen sei, sehe er sich über den Dingen. Wenn sich Leute von Flaschen verletzt fühlten, sei das nicht seine Sache. Für seine besten Flaschen hält er jene, die einige Leute schockieren, andere aber zum Lachen bringen. Die Ideen überfallen ihn und um den Kopf wieder frei zu bekommen, helfe es dann einzig, die Flasche zu realisieren. Einmal fertig, landen sie, um nicht abgestaubt werden zu müssen, und vor Tormados sicher zu sein, im Unterrgeschoss. Menschen sind oft Gegenstand seiner Kunst. Und einmal ausgeführt, keinen Bedarf mehr für seine Werke, also schickt er sie den von ihm Porträtierten: so hat er Flaschen für verschiedene amerikanische Künstler gestaltet und auch diese Fkasche, die er nach Zürich geschickt hat…
(Textauszug aus RAWVISION-Artikel Susan D. Jones)