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Angkasapura. Ein Geist, der ihm erschienen ist, soll ihn seither beim Zeichnen begleiten.

Novia­di Ang­kas­a­pura wuchs in einem kul­tu­rel­len Schmelz­tie­gel auf. Seit sei­ner Kind­heit zeich­net er auf allen mög­li­chen Papie­ren, die ihm zufäl­lig in die Hän­de fal­len. Am Vor­abend sei­nes 24. Geburts­tags hat­te er eine mys­ti­sche Erfah­rung, die einen wich­ti­gen Ein­fluss auf sein Leben und sei­ne Art zu zeich­nen hat­te. Ein über­na­tür­li­ches Wesen erschien ihm, for­der­te ihn auf, ein ehr­li­ches und gedul­di­ges Leben zu füh­ren, und gab ihm den Namen Ki Raden Sas­tro Ing­gil. Obwohl er hell­wach war, kam ihm die Begeg­nung mit dem über­na­tür­li­chen Wesen wie ein Traum vor. Er ver­such­te, das Wesen zu fas­sen, das ein­deu­tig vor ihm stand, aber es ver­schwand ein­fach. Es hin­ter­liess nur zwei Wor­te, die auf ein Stück Papier geschrie­ben waren: ehr­lich und gedul­dig. Es war der Auf­ruf, mit einer mora­li­schen Grund­la­ge in Offen­heit und Gelas­sen­heit zu leben.

Seit der Begeg­nung mit dem über­na­tür­li­chen Wesen ver­stärk­te sich Ang­kas­a­pur­as schöp­fe­ri­sche Kraft. Wenn er zeich­net, spürt er immer die Prä­senz die­ses Wesens, eines unsicht­ba­ren Beglei­ters, der sei­ne Hand führt, und Ang­kas­a­pura weiss nie, was er als Nächs­tes zeich­nen wird. Sei­ne Wer­ke sind über­ra­schend und sehr eigen­stän­dig. Ihre beein­dru­cken­de Kraft ent­springt einem unter­ir­di­schen mythi­schen Strom, der von kul­tu­rel­len Kon­stan­ten geprägt ist. Es gibt Anklän­ge an die Schrift­rol­len des Wayang, des tra­di­tio­nel­len bali­ne­si­schen Schat­ten­spiels, und an die Schrift­rol­len aus Java, in denen Geschich­ten aus dem Rama­ya­na auf­ge­zeich­net wur­den. Ang­kas­a­pura schafft jedoch etwas ganz Eige­nes, indem er die tra­di­tio­nel­len sym­bo­li­schen und mytho­lo­gi­schen Ele­men­te durch sei­ne sehr per­sön­li­che oder viel­mehr trans­per­so­na­le Bild­spra­che trans­for­miert.

Aus west­li­cher Sicht von Kunst­ex­per­ten wur­den sei­ne Wer­ke als Art Brut klas­si­fi­ziert. Inner­halb kur­zer Zeit hat Ang­kas­a­pura einen fes­ten Platz unter den gefei­er­ten Neu­ent­de­ckun­gen die­ser Kunst­form gefun­den. Sei­ne Zeich­nun­gen sind jedoch auch inso­fern medi­al, als Ang­kas­a­pura sich von einer über­na­tür­li­chen spi­ri­tu­el­len Kraft gelei­tet fühlt. Wie ande­re medi­al begab­te Künst­ler ist er fest davon über­zeugt, dass er mit sei­nen Zeich­nun­gen eine Mis­si­on zu erfül­len hat, und es ist die­ser Drang, Bil­der aus einer trans­per­so­na­len Urgrund­la­ge her­aus zu schaf­fen, der ihn antreibt. Das Zeich­nen selbst ist ein medi­ta­ti­ver Akt, wie die Dar­stel­lung einer fort­lau­fen­den Lita­nei, einer aus­ge­dehn­ten, gebets­ar­ti­gen Erzäh­lung, in der jedes Ele­ment auf ein ande­res ver­weist. Es ist ein selbst­re­fe­ren­ti­el­les inne­res Uni­ver­sum, für das Ang­kas­a­pura ledig­lich der Bot­schaf­ter ist.