Ernst Kolb war Bäcker und lebte von 1927 bis I1993.
Ich bin ein großer Bewunderer seiner Arbeiten und bedaure sehr, dass Kolb wenig Beachtung findet und seine Arbeiten kaum zugänglich sind.
Es macht mich traurig, dass über andere interessante Art Brut Künstler gleich mehrere Publikationen existieren, aber über Kolb nur der Beitrag von 2013 von Rolf Bergmann und mir in Rawvision 79 und die dünne Broschüre zur Kolb-Ausstellung der Collection de L‘Art Brut von 2018 in Lausanne neben dem Büchlein „der Mann mit der Plastiktasche“ und der Kolb-Biografie von Bergmann, welche einige Abbildungen enthalten, aber es gibt noch keine Publikation über Kolbs immer wieder von Neuem überraschenden und interessanten Werke!
Kolbs aussergewöhnliche Zeichnungen würden eine Monografie mehr als rechtfertigen – das Projekt wäre eine grosse Aufgabe und eine Pioniertat von kunsthistorischem Wert und deshalb verdienstvoller als weitere Publikationen zu bereits bekannten Künstlerninnen und Künstlern wie Aloise, Madge Gill oder Wölfli, Chrüsi etc.
Schade, dass Experten sich bis heute nie dafür interessierten, dem noch viel zu wenig bekannten Grossen der Art Brut ihre Aufmerksamkeit zu widmen und den wirklich einzigartigen brachliegenden Schatz seiner Zeichnungen zu bergen und veröffentlichen.
Rolf Bergmann hat mit seiner im Bonhöfer Verlag 2013 erschienenen Biografie wichtige Vorarbeit geleistet, aber der wichtige Biograf und Promotor Kolbs verstarb unglücklicherweise im Mai 2015 bereits drei Jahre bevor die Kolbausstellung stattfand und damit hatte Kolb seinen grossen Fürsprech verloren, der sich in den letzten Jahren seines Lebens so für den Vergessenen eingesetzt hatte und seither ist es bedauerlicherweise sehr ruhig geworden um den Mannheimer Bäcker und leider ist bisher niemand ist in die Fusstapfen von Bergmann getreten…
Jammerschade! Denn aus meiner Sicht wäre Kolb für junge Kunsthistorikerinnen und Kunsthistoriker ein ausserordentlich interessantes Forschungsprojekt und, da kunsthistorisch heute noch unerschlossen, eine grössere Herausforderung als ein Weg auf vorgespuhrten Pfaden. Ein Aufwand, der sich lohnen würde, denn Kolbs Arbeiten, die bereits vorliegen und andere, die noch noch aufzustöbern sind, sind geprägt von einem feinen Humor und sind eine wahre Fundgrube und Arbeiten, die man zum ersten Mal sieht, bieten immer wieder vergnügliche Überraschungen.
Wenn sich jemand an diese Aufgabe machen würde, würde ich eine solche Pioniertat mit grosser Freude und Begeisterung unterstützen und die auf www.aussenseiterkunst.ch gezeigten Zeichnungen würden selbstverständlich jederzeit vollumfänglich zur Verfügunng stehen.