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Kolb Ernst
Kolb Ernst war ein Bäcker, der von 1927 bis 1993 gelebt hat. Er hin­ter­liess unver­gleich­ba­re Zeich­nun­gen.

Kolb Ernst

Ernst Kolb, 1927–1993, war ein Ein­zell­gän­ger und Aus­sen­sei­ter. Sein Vater war Eisen­bah­ner und Ernst wuchs in einem Eisen­bah­n­er­kin­der­heim an der Donau auf. Sei­ne Mut­ter war psy­chisch krank. Sie wur­de 1940 von den Nazis ver­gast (sog. Eutha­na­sie), das wur­de mit einer gefälsch­ten Ster­be­ur­kun­de vor den Fami­li­en­an­ge­hö­ri­gen ver­schlei­ert. Ob Ernst Kolb die­se Wahr­heit je erfah­ren hat, ist nicht bekannt, doch er hat sie spä­ter ver­mut­lich erahnt. Sei­ne Schwes­ter war auch psy­chisch krank (Schi­zo­phre­nie), sie leb­te bis 1974.

Ein Leben zwischen Alltag und Kunst.

Es grenzt an ein Wun­der, dass Ernst Kolb trotz die­ser fami­liä­ren Ver­an­la­gung sei­nen kla­ren Kopf behielt und nicht nur sein Berufs­le­ben als Bäcker meis­ter­te, son­dern neben­bei ein zwei­tes Leben führ­te als Kunst- und Kul­tur­in­ter­es­sier­ter, was für einen ein­fa­chen Bäcker­ge­sel­len unge­wöhn­lich war. Er reis­te von 1952–1969 viel (Ita­li­en, Schweiz, Paris, Lon­don, Wien, Grie­chen­land u. a. Län­der), er «sam­mel­te» dabei Städ­te, Län­der, Muse­en, Aus­stel­lun­gen wie er spä­ter Auto­gram­me sam­mel­te. Ab 1969 begann er selbst zu zeich­nen, vor­erst nur in sei­nem Notiz­büch­lein. 1978 wur­de er wegen einer berufs­ty­pi­schen All­er­gie arbeits­los, 1984 Früh­rent­ner. Er nutz­te sei­ne Zeit, um Gemein­de­rats­sit­zun­gen, Gerichts­ver­hand­lun­gen, Vor­le­sun­gen, Tage der offe­nen Tür, Aus­stel­lungs­er­öff­nun­gen, Kon­zer­te oder ande­re Anläs­se zu besu­chen.

Kultfigur mit Plastiktasche.

Er war von früh bis spät auf Ach­se, um sei­nen Infor­ma­ti­ons­hun­ger zu stil­len. Der viel­sei­tig inter­es­sier­te und umtrie­bi­ge Ernst Kolb war immer dabei und Teil des kul­tu­rel­len Lebens und war ein stadt­be­kann­tes Ori­gi­nal. Sei­ne Äus­se­res, auch sei­ne stets voll­ge­stopf­te Plas­tik­ta­sche, pass­ten sel­ten in das eher geho­be­ne Ambi­en­te, in das er sich bei Emp­fän­gen, Lesun­gen und Ver­nis­sa­gen dräng­te. Er dis­ku­tier­te in sei­nem Dia­lekt. Er schätz­te, wenn es zu Essen und zu Trin­ken gab und sam­mel­te Menus, Pro­spekt­blät­ter, Ein­la­dun­gen oder Druck­sa­chen, deren Rück­sei­ten er für sei­ne Zeich­nun­gen ver­wen­de­te.

Vom Original zum Künstler.

Die von ihm sel­ber als «Krit­ze­lei­en» bezeich­ne­ten Zeich­nun­gen fie­len schliess­lich ande­ren Künst­lern auf, die ihm Nach­hil­fe ver­mit­tel­ten und ihm 1985 sei­ne ers­te öffent­li­che Aus­stel­lung ermög­lich­ten, der ein aus­ser­ge­wöhn­li­cher Erfolg beschie­den war. Aus dem «Ori­gi­nal» war ein ernst­zu­neh­men­der Künst­ler gewor­den, ein beses­se­ner Zeich­ner, des­sen Wer­ke mehr­fach aus­ge­stellt wur­den und der ande­re Künst­ler anreg­te, ihn zu bedich­ten, zu zeich­nen und zu model­lie­ren.

Letzte Jahre und Vermächtnis.

1991 erlitt er einen Schlag­an­fall, von wel­chem er sich nicht mehr rich­tig erhol­te. Er ver­schwand aus dem Stadt­bild Mann­heims und leb­te in einem Pfle­ge­heim, wo 1993 sei­ne letz­te Aus­stel­lung statt­fand. Im Juli 1993 starb er in einem Kran­ken­haus an Magen­krebs und wur­de unter Anteil­nah­me vie­ler Men­schen auf dem Haupt­fried­hof Mann­heim bei­gesetzt.

Wiederentdeckung und posthume Würdigung.

Auf deutsch erschien im Mar­si­li­us Ver­lag, Spey­er «Der Mann mit der Plas­tik­ta­sche – Erin­ne­run­gen an den Bür­ger Kolb» von Rolf Berg­mann, – ISBN 3–929242-21–4. Nach sei­nem Tod wur­de es still um Ernst Kolb und er wäre viel­leicht ver­ges­sen ohne die Ver­diens­te von Rolf Berg­mann,1942–2015. Berg­mann hat sei­nen Nach­lass betreut und sei­ne Zeich­nun­gen mit sehr aus­sa­ge­kräf­ti­gen Titeln ver­se­henh auf eBay zum Kauf ange­bo­ten und so für Inter­es­se an Arbei­ten eines bei­na­he Ver­ges­se­nen gesorgt. Die «Coll­ec­tion de l’Art Brut» in Lau­sanne wur­de auf Kolb auf­merk­sam und erwarb Zeich­nun­gen.

Kolbs Platz in der Kunstwelt.

Die Fach­zeit­schrift für Art Brut, «RAW VISION.», stell­te den span­nen­den Künst­ler in Num­mer 79 im August 2013 vor und im Novem­ber 2013 publi­zier­te Rolf Berg­manns eine Bio­gra­fie über den Künst­ler: «Ernst Kolb, Bäcker, Bür­ger, Künst­ler» im Well­hö­fer Ver­lag als Nr. 1 einer Man­nehi­mer Per­sön­lichei­ten gewid­me­ten Publi­ka­tio­nen (ISBN 978–3‑95428–142‑8). Lei­der ver­starb Rolf Berg­mann im Jahr 2015. Ein wich­ti­ger För­de­rer und Pro­mo­tor war ver­stummt. Lei­der konn­te er sich nicht mehr über die Wie­der­ent­de­ckung freu­en, die er ange­stos­sen hat­te: 2018 ver­an­stal­te­te die Coll­ec­tion de L’Art Brut in Lau­sanne eine Aus­stel­lung, die Kolb einer brei­te­ren Öffent­lich gezeigt und ihm einen wich­ti­gen Platz unter den Grös­sen der Art Brut zuge­wie­sen hat.

Weitere Informationen zu diesem Künstler finden Sie auf der früheren Website.

178 Werke von Kolb Ernst.

Das waren alle Kunstwerke von Kolb Ernst.