Wer seine Nähmaschinen-Zeichnungen einmal gesehen hat, wird sie wohl kaum vergessen…Bei Ézéchiel Messou, dem einzigartigen Art Brut Künstler und Mechaniker aus Benin dreht sich sowohl in seinem täglichen Leben als auch in seiner Kunst alles um heute anderswo eigentlich längst als Veteranen betrachtete Näh- und Schreibmaschinen. Zu meiner ganz grossen Freude konnte ich mich 2024 einer Bestellung, die Anouk Rugueu aus Frankreich, die mit ihm in Verbingung ist und die auch auf dieser Seite vertreten ist, bei ihm gemacht hat, anschliessen und die hier gezeigten fünf Zeichnungen von ihm erwerben.
Seine unverwechselbaren Zeichnungen alter Nähmaschinen und Typewriter sind auch schon lange in der massgebenden Schweizer Collection de l’Art Brut in Lausanne vertreten, die auf die Sammlung von Jean Dubuffet basiert, den französischen Künstler, der Aussenseiterkunst zu sammeln begann und den Begriff «Art Brut» dafür verwendete. In seiner Nähmaschinenwerkstatt, die für Aussenstehende unsichtbar ist, füllt Ezekiel Messou seine millimetergrossen Schulhefte (8,3 Zoll x 5,8 Zoll) mit einer gezeichneten Bestandsaufnahme von Nähmaschinenmodellen. Mit einem Bleistift, der mit einem Cuttermesser angespitzt ist, beginnt er mit leichten, fast gestrichelten Linien, und sobald das Gerüst skizziert ist, beginnt er, fester zu drücken. Anschliessend zeichnet er sicherere, gerade Linien, wobei er einen Schraubenzieher oder Schraubenschlüssel als Lineal verwendet.
Als Nächstes füllt er die Flächen mit verschiedenen Grautönen aus, fügt den Namen der Maschinenmarke hinzu, die er zeichnet, oder ersetzt ihn durch seinen eigenen Namen oder seine Initialen.Zum Schluss bringt er mit roter oder blauer Tinte den Stempel seines Unternehmens an: Ets qui sait l’Avenir * Réparation des Machines à Coudre * Le Machinistre» [Betrieb, der die Zukunft kennt *Reparatur von Nähmaschinen* der Ingenieur]. Wie Messou sagt, bestätigt dieser Stempel, dass er der Autor der Komposition ist; er dient auch als eine Art Copyright: «Niemand kann meine Zeichnungen stehlen.»
Der 1971 in Benin geborene Ézekiel Messou war kein besonders fleissiger Schüler. Als er sechzehn Jahre alt war, wurde er ein herrischer Vater und ging nach Nigeria. Von 1990 bis 1995 lernte er in Lagos, Nähmaschinen zu reparieren. Er entschied sich für die Mechanik von Nähmaschinen, weil es nach seinen Worten «zu viele Fischer, Schneider und Maurer gibt, während niemand weiss, wie man diese Arbeit macht».