Nach absolvierter Ausbildung arbeitete ich als Grafiker, sah mich allerdings eher als Künstler und zeigte freie Arbeiten in drei Einzelausstellungen. Aber dann konzentrierte ich mich ausschliesslich auf den Beruf und meine Familie und arbeitete im eigenen Atelier schliesslich noch zehn Jahre über mein offizielles Pensionsalter hinaus.
Berufsleute meiner Generation standen vor einer gewaltigen Herausforderung: das erlernte Handwerk musste nun mit dem Computer ausgeführt werden und wer sich der technischen Entwicklung verweigerte, verlor rasch seine Arbeit. Sehr positiv veränderte die neue Technologie aber das Verhältnis unter Berufskollegen, die sich zuvor vor allem als Konkurrenten wahrgenommen hatten – jetzt waren alle gleichermassen gefordert und man bildete sich in Selbsthilfegruppen gemeinsam weiter.
Das damals völlig neue Web eröffnete bisher undenkbare Möglichkeiten. Sammeln konnte man nun statt regional in mehreren Ländern gleichzeitig, was schlagartig einen riesigen Markt und ein vielfältiges Angebot bedeutete. Da dies gleichzeitig aber noch lange nicht allgemein bekannt und allen vertraut war, herrschte im Web eine richtige Goldgräberstimmung und es gab viele interessante Objekte zu erschwinglichen Preisen.
In jener Zeit entdeckte ich eBay, Etsy und Ricardo und stiess auf viel Interessantes. Dies löste denn auch die Sammelleidenschaft aus und hat mich langfristig, obschon ich mir dessen damals nicht bewusst war, zu der für mich sinnbildenden Beschäftigung mit meinen Webseiten und den Beiträgen in den Sozialen Medien gebracht, die mich nun in Atem halten, seit ich die Berufsarbeit im eigenen Atelier aufgegeben habe.
Nach jahrelangem Unterbruch begann ich damals auch wieder damit, zweimal wöchentlich in zwei Gruppen Akt zu zeichnen. Anders als in jungen Jahren, wo ich ausschliesslich nach Fantasie zeichnete, jetzt ausschliesslich nach lebenden Modellen – und dies vorzugsweise, falls dafür genügend Zeit zur Verfügung steht, mit spezieller Freude aus verschiedenen Perspektiven mit dünnem Filzstift, wo eine einmal gezeichnete Linie sich weder korrigieren noch verbessern lässt und die Zeichnung deshalb auf Anhieb geraten muss.