Weil mich beschäftigt, was nach mir aus meiner Sammlung werden soll, habe ich im vergangenen Jahr mit den drei für Art Brut zuständigen Schweizer Museen Kontakt aufgenommen, der Collection de L’Art Brut in Lausanne, dem Open Art Museum in St. Gallen und der Karthause Ittingen im Kanton Thurgau.
Ich war überrascht, wie unterschiedlich unsere Ziele sind. Museen sind interessiert an zusätzlichen Werken von Künstlern, die sie bereits selber in ihren Sammlungen haben.
Für mich stand das Aufstöbern und Entdecken immer im Vordergrund. Es war eine spannende Herausforderung, die mich auf Trab hielt und ich freue mich heute über das, was zusammengekommen ist, denn es entstand eine lebendige und vielfältige Sammlung mit grossen Namen aber auch anderen, kaum bekannten Künstlern und Künstlerinnen, was die Realität von Art Brut wohl besser abbildet, als die Konzentration auf etablierte Namen, der Museen aber kaum interessiert. Die Tafel mit türkisfarbigem Grund zeigt typische Namen einer solchen „Museumswunschliste“ – allerdings möglicherweise ohne die Künstler aus den USA weil der Fokus bewusst auf inländischer oder europäischer Kunst liegt.
Es ist wunderbar, dass Museen ihre Schätze öffentlich erlebbar machen und verwalten. Läge es ab er nicht auch bei ihnen, Künstler aufzuspüren, statt abzuwarten, bis der Handel Künstlern und Künstlerinnen zum Durchbruch verhilft und erst danach zu kaufen?
Fünf Tafeln mit grauem Hintergrund zeigen den gössten Teil dessen, was nicht auf der vorangegangenen “Wunschliste“ steht und kaum auf Interesse stösst. Überraschend, hätte ich doch bei Leuten, die sich professionell tagtäglich mit Art Brut auseinandersetzen das gleiche Herzblut, die Neugier und Entdeckerfreude erwartet, die mich seit meinem Einstieg beflügelt.
Art Brut vergleiche ich mit einem riesigen Gewässer, in dem sich vielfältigste Geschöpfe herumtreiben und sehe mich selber als Fischer, mit Angelleidenschaft, immer bereit, überrascht zu werden, spontan nach Bauchgefühl sofort zu entscheiden und zu kaufen, wenn ich es mir leisten kann, falls mich etwas überzeugt – ob bereits etabliert oder noch unbekannt, spielt nie eine Rolle. Einige der Künstler, auf welche ich dabei gestossen bin, sind inzwischen auch im Handel und in Museen angekommen.
Was länderübergreifend zusammenkam, unterscheidet sich von den üblichen, logisch und systematisch aufgebauten Sammlungen. Hier führte der Zufall führte und das liess ein immer vielfältiger werdendes Ganzes entstehen.
Aus der Not wurde eine Tugend – hätte ich mir leisten können, auf dem Kunstmarkt zu kaufen, würde die Sammlung wohl nur wichtige Namen zeigen, aber sie wäre nie so vielfältig und reichhaltig geworden. Ich freue mich heute sehr über das seit 2012 zustande gekommene, weder vorhersehbare noch planbare Ergebnis und bin glücklich, die so unterrschiedlichen Fundstücke hier zeigen zu können.
Warum sind einzelne gute Künstler erfolgreich und andere nicht? Das bleibt für mich nach wie vor ein Rätsel. Aber ich freue mich, Arbeiten zeigen zu können, die in meinen Augen Beachtung verdienen, aber anderswo kaum oder gar nicht zu sehen sind und ich hoffe dass sich dies eines Tages für jene, die im Schatten stehen, noch ändern wird.